Sind Herdenschutzhunde gefährlich?

Um Herdenschutzhunde ranken sich die Mythen wie um kaum eine andere Hunderasse. So ist es auch kein Wunder, dass immer dann, wenn es mit dem Hund aus dem Auslandstierschutz nicht klappt, ein Herdenschutzhund in der genetischen Grundausstattung vermutet wird. Leider!

Im Dienste des Menschen

Menschen nutzen seit langem natürliche Verhaltensweisen von Hunden für ihre Zwecke. Die Kooperationsfähigkeit, die Kommunikationsfähigkeit, die jagdlichen Eigenschaften und das Beschützen von Ressourcen und Sozialpartnern, die Territorialität.

Um Einfluss auf die Leistungsfähigkeit und Effektivität des Hundes zu nehmen sind die kontrollierte Vermehrung, sprich Zucht, die Sozialisation und Prägung und je nach Einsatzgebiet auch eine Ausbildung die Mittel der Wahl. Jeder Hund ist ein Spezialist auf seinem Gebiet.

 Erziehung und Ausbildung von Hunden

Erziehen kann bzw. sollte man jeden Hund, aber nicht jeder Hund muss ausgebildet werden, um seinen Beruf ausüben zu könnnen. Herdenschutzhunde gehören dieser Art von Hunden an. Das was sie tun gehört zu ihren natürlichen Verhaltensweisen und ist ein auslösender Reiz gegeben, dann kommen diese zum Einsatz. Sie müssen nicht etxtra ausgebildet werden, um das zu tun.

Aber wie entscheidet der Herdenschützer was eine Gefahr darstellt und was nicht?

Die Unterscheidung beruht auf Vertraut und Fremd, Bekannt und Unbekannt. Alles Unbekannte ist potentiell gefährlich, Lebewesen wie auch Dinge und Umstände.

Unsicherheit außerhalb des eigenen Territoriums und Misstrauen gegenüber Fremden sind deshalb auch rassetypische Eigenschaften. Daneben spielt die Individualdistanz eine große Rolle.

Damit er beschützt, was beschützenswert ist! Verhaltensformung beim Herdenschutzhund

Neben der züchterischen Selektion ist die Sozialisationsphase die entscheidende Phase, in der das Verhalten von Herdenschutzhunden in wünschenswerte Bahnen gelenkt wird. Hier passiert die Anpassung an die Umwelt und die Lebensumstände sowie darin vorkommende Lebewesen, die damit zum Maßstab für das Vertraute werden. Mit Besuch, ohne Besuch, Rollatoren, Autoverkehr oder nur Schafe, Weite und ansonsten nichts, abgesehen vom Hirten pure Einsamkeit.

Soll ein Herdenschutz in unseren Breiten leben, dann muss die Sozialisationsphase aktiv genutzt werden, um ihn mit all dem vertraut zu machen, was dazu gehört. So wie es die Schäfer tun, wenn sie die Hunde schon als kleine zu den Schafen setzen. Sie werden Teil seiner Familie, seiner vertrauten Umwelt. Wird diese Phase nicht sinnvoll genutzt, dann kann sich das langfristig sehr rächen und man bekommt die rassetypischen Probleme. Wer oder was ihm fremd ist stellt ein potentielle Gefahr dar und je größer die Nähe, desto alarmierender.

Sind Herdenschutzhunde deshalb gefährlich?

Nein, Herdenschutzhunde sind nicht per se gefährlich. Wie alle Hunde sind sie soziale Lebewesen und durchaus gerne beim Menschen. Ungünstig ist allerdings, dass die wenigsten Menschen die Sozialisationsphase von Hunden aktiv zu nutzen wissen. Daneben sind Erziehung (nicht Ausbildung) und eine vertrauensbasierte Beziehung unerlässlich, was ja eigentlich für jeden Hund gilt.

Ein nicht ausgebildeter Jagdhund nutzt dem Jäger bei der Jagd nichts, ebenso wie ein nicht ausgebildeter Hütehund dem Schäfer. Ein Herdenschutzhund wird mehr oder weniger ausgeprägt die Aufgabe übernehmen die seinen zu schützen, wenn er nicht frühzeitig gelernt hat, sich am Menschen zu orientieren und der Mensch nicht in der Lage ist eine vernünftige Rangordnung herzustellen.

Das Problem ist, Sachverstand kann man nicht vorraussetzen, das hat mir die heutige Lektüre verschiedener Artikel über Herdenschutzhunde heute erst wieder gezeigt,  und leider basiert der Umgang mit Hunden immer noch häufig auf lange überholten Dominanzvorstellungen, was dem Beziehungsaufbau und dem Vertrauensverhältnis mit einem Hunde nicht selten zuwiderläuft.

Herdenschutzhund als Familienhund

Ich habe als Familienhund gezüchtete Herdenschutzhunde kennengelernt, die fast schon erschreckend wenig mit dem zu tun hatten, was einen Herdenschutzhund ausmacht. Sie waren groß, man könnte sagen lieb, wenig vital, mitunter ängstlich.

Prinzipiell sind Herdenschutzhunde auch wunderbare Familienhunde, wenn sie gut sozialisiert und erzogen wurden. Auch daunterscheidet sie sich nicht von anderen Hunden. Sie sind groß und haben ihre rassetypischen Eigenschaften, die selbstverständlich zu den Menschen und deren Rahmenbedingungen passen sollten.

Und natürlich kann man Herdenschutzhunden die Grundsignale beibringen. Das gestaltet sich vielleicht ein wenig anders als mit einem Malinois oder Border Collie, aber wenn Mensch und Hund zusammenpassen, dann macht das allen Beteiligten genau so viel Spaß.

Herdenschutzhund aus dem Ausland

Anhand der oben beschriebenen „Funktionsweise“ und der Bedeutung der Sozialisationsphase wir ja eigentlich schon deutlich, dass der Import eines erwachsenen Herdenschutzhundes mit unbekannter Vorgeschichte große Risiken birgt und eigentlich nur für wenige Menschen in Frage kommen kann.

Sachverstand ist unabdingbar und die örtlichen Gegebenheiten sollten nicht stark von denen im Herkunftsland abweichen. Auch Platz sollte gegeben sein, denn Enge ist belastend.

Schöpfungsakt Hund?

Kürzlich las ich einen Post in dem sich der Verfasser bei der Schöpfung bedankte, weil sie uns mit dem Hund beschenkt hat.
Das fand ich bemerkenswert. Will man die Schöpfung ins Spiel bringen, dann dürfte man sich bei ihr für den Wolf bedanken.
Doch wie wir wissen lief es nicht gut für den Wolf. Bis heute nicht.
Hunde sind eine echte Bereicherung, das sehe ich auch so, doch ihre Existenz ist eine Kulturleistung des Menschen. Die kontrollierte Fortpflanzung hat aus dem Wildtier Wolf das Haustier Hund werden lassen. Die Zucht ist das Wesen des Hundes.

Kaspar-Hauser-Syndrom

Namensgeber für diese Entwicklungsstörung war „Kaspar-Hauser“. Er ist das wohl das bekannteste, abseits von menschlicher Zivilisation, aufgewachsene Kind.

Bei Hunden sind vergleichbare Entwicklungsstörungen bekannt.

Kaspar Hauser wurde, so wird vermutet, als Kleinkind entführt und in einem dunklen Verschlag gehalten, in dem er sich nicht einmal aufrichten konnte. Seine Versorgung war auf die Lebenserhaltung beschränkt, die ihn versorgenden Menschen blieben distanziert und gaben sich nicht zu erkennen. Dieser Zustand, so vermutet man, könnte bis zu zwölf Jahren angedauert haben. Dann liess „Kaspar-Hauser-Syndrom“ weiterlesen

Hospitalismus

Hospitalismus ist eine Folge von Deprivation im Zusammenhang mit Fremdbetreuung von Menschen und kann synonym als Deprivationssyndrom bezeichnet werden. Auch Hunde können ein Deprivationssyndrom entwickeln. Die Bezeichnung Hospitalismus ist diesbezüglich eher unüblich.

Der Begriff Hospitalismus geht auf den österreichischen Kinderarzt Meinhard Pfaundler zurück.  Er beobachtete einen Zusammenhang zwischen einem Mangel (Deprivation) von sozialer Zuwendung und Verhaltensproblemen bei Kindern. Es handelte sich dabei um Kinder, die „Hospitalismus“ weiterlesen

Deprivation und die Folgen

„Angsthund“

Im Folgenden werde ich die mit der Deprivation verbundenen Problematik erläutern, wie sie sich äußert und ob sie heilbar ist.

Das Wort „Deprivation“ stammt aus dem Lateinischen und bedeutet Mangel oder Entzug. Geht es im Zusammenhang mit Hunden um Deprivation, dann stehen Verhaltensprobleme im Mittelpunkt des Interesses. Hundeprofis, wie Trainer beispielsweise, sprechen vom Deprivationsschaden oder Kaspar-Hauser-Syndrom, alltagssprachlich ist vom „Angsthund“ die Rede.

Die Problematik ist nicht neu, doch durch die starke Zunahme von Hunden insbesondere aus dem Auslandstierschutz rückt sie immer stärker in den „Deprivation und die Folgen“ weiterlesen

Auslandstierschutz und Straßenhunde

Was sind das eigentlich für Hunde, die da von den Tierschutzorganisationen aus dem Ausland zu uns gebracht werden? Sind das wirklich alles unabhängige und halbwilde Straßenhunde? Wie treffe ich die richtige Auswahl?

Natürlich gibt es sie, die „Straßenhunde“, aber das übergreifende Merkmal der Hunde aus dem Auslandstierschutz ist, dass sie ungewollt und herrenlos sind. Darunter sind Hunde zu finden, die halb verwildert, seit Generationen auf der Straße lebten, aber auch sehr viele ehemalige Besitzerhunde. Sie wurden nicht der Straße entnommen, sondern vom Besitzer im Shelter „Auslandstierschutz und Straßenhunde“ weiterlesen

Kettenwürger

Kurz habe ich überlegt, ob ich mir die Mühe machen soll und das Kettenhalsband verschwinden lasse. Aber ich habe mich dagegen entschieden. Ja, ich selbst habe eins benutzt. Von daher weiß ich, es ist einfach Handwerkszeug, dadurch kann, aber muss kein Leid zugefügt werden. Dennoch steht es für einen überholten Erziehungs- und Ausbildungsstil. Bei mir kommt es aus tiefster Überzeugung nicht mehr zum Einsatz, außer dem günstigen Preis bietet es im Vergleich keine Vorteile, dafür aber das Risiko Schmerzen zu verursachen, gerade bei nicht gut leinenführigen Hunden. Heute tragen meine Hunde grundsätzlich Geschirr und manchmal auch ein Halsband dazu.

Nach wie vor sind Kettenwürger recht beliebt. Gerade bei stärkeren Hunden sind sie nicht selten zu sehen.

Man könnte sagen, dass es lediglich ein Hilfsmittel zur Erziehung ist. Allerdings eines, das für einen längst überholten Erziehungs- und Ausbildungsstil steht, der zudem auf einer veralteteten Betrachtung von Hunden basiert.

Das Allerschlimmste ist allerdings, dass kaum einer versteht richtig damit zu arbeiten, wodurch die Nutzung fast ausschließlich zum  Gewaltakt gegen den „Kettenwürger“ weiterlesen

Mensch, mach deinen Hund nicht sauer – Leinenaggressionen vermeiden

Wenn ein Hund wütend an der Leine tobt, dann hat das oftmals hausgemachte Ursachen.

Kürzlich hatte ich eine ziemlich unangenehmen Hundebegegnung. Es war so eine, bei der einem das Herz in die Hose rutscht und man heilfroh ist, wenn man sie unbeschadet überstanden hat, aber sie ist ein hervoragendes Beispiel dafür, was der Mensch lieber lassen sollte, wenn er entspannte Hundebegegnungen haben will.

Begegnung mit einem ziemlich wütenden Hund

Bei dieser Begegnung handelte sich um einen Boxer und sein Herrchen. Eigentlich sah erst mal alles ganz gut aus. Zuerst war nur der Hund zu sehen, auf dem Weg der Parkanlage, auf dem auch ich lief.

Er wuselte recht geschäftig herum, was mich schon etwas aufmerksam „Mensch, mach deinen Hund nicht sauer – Leinenaggressionen vermeiden“ weiterlesen

Gute Gründe für die Adoption eines jungen Hundes aus dem Auslandstierschutz

Welpenflut in den Sheltern und die Chance auf ein schönes Hundeleben
In vielen Artikeln geht es um die Risiken und Probleme bei Übernahmen von Auslandshunden, doch was bedeutet es für einen Hund ausreisen zu dürfen?
Wenn es sich um eine wohl durchdachte Übernahme handelt, dann kann man durchaus von einer Rettung sprechen. Sehen wir es mal aus der Perspektive eines jungen Hundes:
Er hat noch ein ganzes Leben vor sich und bei rechtzeitiger Ausreise kann ihm eine Frühkastration erspart werden. Oftmal werden die jungen Hunde mit sechs Monaten kastriert, sofern sie sich im Einflussbereich von Tierschützern befinden. Eine Vorgehensweise, die sich allein vor dem riesigen und kaum zu bewältigendem Elend der vielen heimatlosen Hunde rechtfertigen lässt, nicht aber mit Vorteilen für das betroffene Individuum.

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Junger Hund aus dem Auslandstierschutz – Worauf sie vorbereitet sein sollten

Zuletzt hatte ich sehr junge Hunde auf Pflegestelle. Weihnachten stand vor der Tür und ich hatte Anfragen ohne Ende. Es waren vor allem Familien mit Kindern, die einen Hund suchten. Den meisten musste ich absagen, es kam nicht mal zu einem Kennenlerntermin.

Das hatte ich so entschieden, weil sich im Gespräch herausstellte, dass die Menschen erwarteten einen unkomplizierten Anfängerhund zu bekommen. Jung sein wurde mit unkompliziert gleichgesetzt, vergleichbar einem Welpen vom Züchter. Das ist aber leider ein Trugschluss.

Ausgeglichenheit, Zutraulichkeit und gute Erziehbarkeit eines Welpen sind das Ergebnis einer sorgfältigen Aufzucht. Das kann bei einem jungen Hund aus dem Auslandstierschutz nicht vorausgesetzt werden!
„Junger Hund aus dem Auslandstierschutz – Worauf sie vorbereitet sein sollten“ weiterlesen