Konditionierung – was ist das eigentlich?

Als Hundehalter wird man recht häufig mit dem Begriff der Konditionierung konfrontiert. Zumeist sind die Erklärungen, die man von Trainerseite erhält, verwirrend und unbefriedigend. Zumindest war das in meinem Falle so. Aus diesem Grunde habe ich mich anderweitig um Antworten bemüht und bin auf

allerhand interessante Informationen gestoßen, die mir eine Positionierung im Rahmen meiner Beschäftigung mit Hunden ermöglicht haben.

Konditionierung

Konditionierung gehört zum natürlichen Lernverhalten von Mensch und Tier. Es ist aber eine sehr grundlegende Form des Lernens, die ohne Verstand auskommt und vom ältesten Teil des Gehirns  gesteuert wird.

Es wird unterschieden in operante Konditionierung und klassische Konditionierung.

Klassische Konditionierung

Klassische Konditionierung beschreibt Reiz-Reaktions-Muster. Um beim berühmtesten Beispiel, dem Pawlowschen Hund (1918), zu bleiben, bedeutet das, dass der Hund eine Erwartungshaltung aufbauen kann bzw. in der Lage ist Zusammenhänge (Assoziationen) zwischen Ereignissen herzustellen.

Es ist ein natürlicher Vorgang, wenn sich beim Anblick von Futter  die Speichelproduktion verstärkt. Das ist eine angeborene Reaktion, die sich automatisch einstellt. Beginnt man nun die Fütterung mit einem Glockenton anzukündigen, dann löst nach einer Weile der Glockenton die Speichelproduktion aus. Der Hund „lernt“, dass der Glockenton die Fütterung ankündigt. Das Hören des Glockentons erzeugt eine Erwartungshaltung und reicht aus, um den Verdauungsprozess zu starten, denn nichts anderes ist die Speichelproduktion.

Zusammengefasst: Bestimmte Reize lösen angeborene Reaktionen aus. Der besondere Lerneffekt der klassischen Konditionierung beruht darauf, dass Hinweise aus der Umwelt Ankündigungscharakter erhalten, also auf zu erwartende Ereignisse oder Situationen hinweisen, und eine entsprechende instinktive Reaktion hervorrufen können. (Pawlow war der Entdecker, der klassischen Konditionierung)

Operante Konditionierung

Skinner (1904 -1990), ein amerikanischer Psychologe, entdeckte die operante Konditionierung, auch als Lernen am Erfolg bzw. Lernen nach dem Prinzip von Versuch und Irrtum bekannt.

Das Tier wurde mit einer Aufgabe konfrontiert und musste eigene Lösungswege entwickeln. Dabei wurde beobachtet, dass erfolgreiche „Strategien“ (in Tüttelchen, da das gezeigte Verhalten als spontan und nicht als Ergebnis von Überlegung eingestuft wurde) bei erneuter Konfrontation wiederholt gezeigt wurden, während erfolglose nicht mehr zur Anwendung kamen. Das Erfolgsgefühl bzw. Misserfolgsgefühl musste dem Anspruch eines subjektiven Belohnungscharakters bzw. Frustration erfüllen und es musste eine Motivationslage geschaffen werden, um zu den Ergebnissen zu gelangen. Die lauteten, dass ein Tier, ein als subjektiv erfolgreich erlebtes Verhalten in sein Verhaltensrepertoire aufnehmen wird.

Weil Überlegen das Überleben gefährden würde

Zusammenhänge von Ursache und Wirkung erkennen und abspeichern sowie die Fähigkeit blitzschnell erfolgreiche Strategien abrufen und Gefahren meiden zu können ermöglichen das Überleben in einer veränderlichen Umwelt. Dabei auf Überlegungen verzichten zu können stellt im Sinne des biologischen Überlebens ein Vorteil dar, denn Überlegen würde Zeit kosten. Man denke an frühe Menschenarten, die Gefahr liefen wilden Tieren zu begegnen und sich mit vergleichsweise einfachen Mitteln in ihrer natürlichen Umwelt behaupten mussten.

Wie der Autopilot im Kopf programmiert wird

Situationen und Erfahrungen werden im Sinne des persönlichen Vorteils beurteilt. Die jeweilige Bewertung findet ihren Ausdruck in einer Emotion: angenehm oder unangehm, hilfreich oder schädlich, befriedigend oder unbefriedigend, kurzum als gut oder schlecht und wird als Erinnerung im Gedächtnis aufbewahrt.

Ruft nun die Konfrontation mit einer identischen oder vergleichbaren Situation die Erinnerung wach, dann vermittelt diese sich durch die Emotion, durch die sie repräsentiert wird und beeinflußt das Verhalten in der betreffenden Situation. Die Bandbreite der Reaktionsmöglichkeiten geht von tendenzieller Aufgeschlossenheit, Motivation bis Zwanghaftigkeit und im Falle einer negativ bewerteten Situation von tendenzieller Ablehnung, über Unlust  bis zur Vermeidung.

Intensität und Häufigkeit einer Erfahrung nehmen Einfluss auf die Zuverlässigkeit mit der das Verhalten (Vermeidung oder Zwang) gezeigt wird.

 

 

 

 

 

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