Schadet Konditionierung?

 

 

Tiere können nicht sprechen, deshalb können wir sie auch nicht fragen, wie es ihnen damit geht dressiert zu werden. In der Rolle als zentrale Erziehungsmethode ist die Konditioniererei sicher nicht mehr zeitgemäß. Heutzutage weiß man so viel über die hervorragenden sozialen und kommunikativen Fähigkeiten und Bedürfnisse von Hunden und können andere Wege gehen.

Begriffe wie Teamwork, Bindung und ein Führungsverständnis, das sich an der Elternrolle orientiert sind in aller Munde, doch sie werden kaum mit Leben gefüllt. Kondititioniert zu werden bedeutet programmiert und ferngesteuert

zu werden und das ist das krasse Gegenteil von Teamwork. Deutlicher Unmut ist vor allem aus der Ecke der Tierrechtler, zu vernehmen und auch viele mit Hundethemen befasste Wissenschaftler äußern ihr Missfallen am Trainerstand.

Eigene Erfahrungen

Da ich damals gleich mit einem etwas anstrengenderem Hund aus dem Tierschutz in mein Hundehalterdasein gestartet bin, wurde mir schnell klar, dass all das, was auf den Hundeplätzen trainiert und vermittelt wurde im Alltag schnell an seine Grenzen stößt. Deshalb wollte ich wissen, warum mein Hund sich verhält, wie er es tut und davon eigene Strategien ableiten können und fuhr gut damit. Auch fand ich es suboptimal den eigenen Hund unter Befehl zu führen, während die Mehrheit macht was sie will und beispielsweise angerannt kommt. Hundehalter, die in der Lage sind Situationen richtig einzuschätzen und sozial sichere Hund, sind der größte Garant dafür, unbeschadet auch heikle Alltagssituationen meistern zu können.

Dressurbeispiele Clickern und Free Shaping

Beispiel Clickern. Bei der Ausbildung wird erklärt, dass es sich damit verhält, wie beim Topf klopfen auf dem Kindergeburtstag. Das Kind bekommt die Augen verbunden und wird durch Zuruf gelenkt. Es will den Topf finden, unter dem etwas Spannendes versteckt ist und wird mit den Wörtern Warm und Kalt in die richtige Richtung dirigiert.

Meiner Ansicht nach hinkt der Vergleich, denn das Kind kennt die Spielregeln und macht freiwillig mit. Der Hund kennt die Spielregeln nicht, da man sie ihm nicht erklären kann. Er agiert, wie eine Laborratte.  Um  von Menschen gesetzten Zielen gerecht zu werden, die i. d. R. für den Hund keinerlei Bedeutung haben, wird ein natürlicher Antrieb aktiviert, die Lust auf Futter,  um ihn zum Mitmachen zu bewegen.

Beim „Shaping“ wird noch deutlicher, dass diese Arbeitsweise durchaus problematische Aspekte hat, denn der Hund muss ja selbst herausfinden, was von ihm erwartet wird. Auch hier kann man ihm im Vorfeld nicht erklären, was auf ihn zukommt und so kann aus Freude leicht Stress und aus der Erwartungshaltung des Hundetrainers bzw. Halters, massiver Druck werden, der im schlimmsten Falle zu Frustration führt, mit negativen Auswirkung auf das Verhalten allgemein.

Fazit

Da Tieren die Fähigkeit zu freiem Handeln bislang abgesprochen wird und man sie als Sache betrachtet, ist es nur logisch in der Dressur keinen Nachteil für das Tier zu erkennen. Doch allmählich setzt ein Bewußtseinswandel ein, denn es ist heute wissenschaftlich belegbar, dass Hunde Individuen sind, mit Emotionen und mit der Fähigkeit zum Lernen ausgestattet. Auch daran, ob und inwieweit sie zu moralischem Handeln in der Lage sind, wird geforscht. Tiere sind also definitiv keine Sachen und unsere Unwissen hinsichtlich ihres Innenlebens ist wahrscheinlich größer als unsere Wissen. Das sollte Grund genug sein nicht leichtfertig in ihrem Hirn herum zu manipulieren. Dressurmethoden sind ohne Zweifel ein wertvolles Werkzeug im Rahmen der Verhaltensformung von Hunden. Doch der Einsatz sollte nicht selbstverständlich und unreflektiert erfolgen, sondern nach sorgfältiger Abwägung von Alternativen, die vieleicht echte und für das Sozialverhalten vorteilhafte Lernerfahrungen ermöglichen würden.

 

 

 

 

 

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.